Pressemitteilung 2/2010
Sensationelle Auto-Klassiker bei Retro Classics meets Barock Concours d´Élégance: Wer gewinnt den „Großen Preis von Deutschland – automobile Eleganz”?
Spannung im Vorfeld von Retro Classics meets Barock, dem großen Oldtimer-Wettbewerb im Ludwigsburger Schlossgarten: Welche hochklassigen Fahrzeuge werden in diesem Jahr zum Concours d´Élégance angemeldet und zugelassen? Das strenge Regelwerk der FIVA (Fédération Internationale des Véhicules Anciens) lässt nur diejenigen automobilen Klassiker in die Wertung hinein, die vorher nie bei einem Concours angetreten sind. Damit kommen jedes Jahr neue Raritäten nach Ludwigsburg – vom Publikum bestaunt und von der Jury gespannt erwartet. Eine der ersten Meldungen betrifft eine automobile Sensation: Der schneeweiße Riley RMB 2,5 Liter Coupé mit Aufbau des Schweizer Carrossiers Köng ist eine absolute Rarität und war bis zu seinem Tod in seinem Besitz. Köng zeichnete das Design des Autos zuerst für ein Bentley Chassis, baute es aber aus pragmatischen Gründen auf das Chassis einer Riley RMB 2,5 Liter Limousine. Diese Fahrzeuge der Marke Riley wurden in den Jahren 1946 bis 1952 in den British Leyland Werken gebaut. 1949 stellte Walter Köng das Fahrzeug im Genfer Automobilsalon aus, fand aber wegen des hohen Preises keinen Käufer und benutzte es fortan selbst. Chassis und Motor des sportlichen Coupés mit Targadach sind original, die Stoffdacheinsätze aus Rohseide haben noch den Originalbezug, Stoßstangen, Trittbretter und Türgriffe sind mit Mahagoniholz belegt. Das ursprünglich eingebaute Radio „His Master´s Voice” ist auch noch eingebaut. Lediglich die Vordersitze mussten neu mit Leder bezogen werden.
Ein weiteres Fahrzeug der Superlative gehörte Samuel Lionel „Roxy” Rothafel, eine der großen Persönlichkeiten im amerikanischen Showgeschäft. Er eröffnete 1927 mit seinem Freund Rockefeller Junior das legendäre Roxy-Theater in New York, welches mit seinen 10.000 Plätzen als das „größte Theater seit dem Fall von Rom” bezeichnet wurde. Für ihn kam natürlich nur ein Superklasse-Fahrzeug in Frage: Der Mercedes-Benz 710 SS des Chef-Konstrukteurs Ferdinand Porsche mit 7,1 Liter Hubraum brachte es auf 200 PS und erreichte mit zugeschaltetem Roots-Gebläse eine damals sensationelle Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h. Wahrscheinlich war er der damals schnellste Straßenwagen der Welt. Rothafel beauftragte den Mailänder Karosseriehersteller Castagna, das Fahrgestell mit einem zweisitzigen Aufbau zu versehen. 1929 kam das Fahrzeug per Schiff in New York an, und Rothafel besaß es bis zu seinem Tod 1936.
Ein echter Veteran ist der Waltham Orient Buckboard mit Baujahr 1906. Die Waltham Manufacturing Company im US-Staat Massachusetts stellte dieses Fahrzeug in den Jahren 1902 bis 1908 her und verkaufte es für 425 US-Dollar. Damit war es das günstigste Automobil seiner Zeit in den USA. Der Zweisitzer, im Volksmund „Country Doctor”, „Landarzt” genannt, hat einen vertikal angeordneten luftgekühlten Einzylindermotor mit 3 kW/4,1 PS Leistung und ein stufenloses Getriebe. Ohne einen Schaltvorgang erreichte der Waltham also immer die optimale Drehzahl und gewann dank dieser Einrichtung in seiner Zeit sogar Bergrennen. Der Wagen wiegt gut 220 kg und erreicht maximal 30 km/h, wobei das vollständige Fehlen einer Karosserie das Reisen sehr viel unbequemer machte, als wir das heute gewohnt sind. Der Wagen besaß jedoch eine Federung und Luftreifen. Eine Besonderheit: Dieser Wagen besitzt noch kein Lenkrad, sondern eine Lenkstange, obwohl das nicht mehr üblich war. Der Besitzer Rainer Wilhelm leitet das Vorkriegsregister des RetroClassicCultur-Vereins, der sich den Erhalt alter Fahrzeuge als historische Kulturgüter als Ziel gesetzt hat. Rainer Wilhelm hat den Wagen, der sich in Zustand 1 befindet, erst vor wenigen Monaten erworben. Er schätzt Fahrzeuge, die den Pioniergeist der frühen Anfänge des Automobils spüren lassen.
Zehnmal mehr als der kleine Waltham wiegt der Mercedes-Benz Typ S aus dem Jahr 1929 mit Erdmann & Rossi Karosserie, der aus dem Auto & Technik Museum Sinsheim nach Ludwigsburg kommt. Der Typ S erschien 1926 als Ableitung des Modells K aus demselben Jahr und wurde in nur 150 Exemplaren gebaut. Der sehr leistungsfähige Sportwagen mit Sechszylindermotor, 6740 ccm Hubraum und 120/180 PS Leistung ist von anderen Mercedes-Benz-Modellen durch drei auf der rechten Seite des Motorraums austretende, nach unten führende Abgasschläuche zu unterscheiden. Dieses Mercedes-Benz S Cabrio wurde 1928 auf der Internationalen Automobilausstellung in Berlin beim Erdmann & Rossi Stand vorgestellt. Nach der IAA wurde der Wagen 1929 an einen deutschstämmigen Amerikaner nach New York verkauft. Dort blieb er, bis er restauriert wurde und in Sammlerhand landete. Bei der Restauration wurde die originale beige Farbe durch ein dunkles, elegantes Blau ersetzt. Der Wagen ist ansonsten im Originalzustand.
Wie schwierig mitunter die Recherche eines klassischen Fahrzeugs ist, zeigt der Fall eines Mercedes-Benz W 143 (Typ 200) mit Baujahr 1936, von dem erst im Jahr 1952 Papiere existieren. Das Fahrzeug wurde laut KFZ-Brief der Republika Ceskoslovenska (Tschechoslowakei) im Februar 1952 zugelassen. 1970 kaufte der jetzige Besitzer den Wagen in erbärmlichem Zustand, ließ ihn aus Zeitmangel mehr als 30 Jahre in der Garage stehen und begann im Jahr 2000 mit den Recherchen als Vorbereitung der Restaurierung. Laut Typenbezeichnung, Baujahr und Fahrgestellnummer ist das Fahrzeug ein W 143, den es als Cabriolet A mit zwei Notsitzen in Sonderausführung mit zwei Türen und zwei Fenstern für 11.500 Reichsmark zu kaufen gab. Die Restaurierung erfolgte teilweise durch den Besitzer selbst, der als gelernter Kfz-Mechaniker größten Wert auf einen fachgerechten Wiederaufbau legte.
Anmeldungen zum Festival und Bewerbungen zum Concours können noch abgegeben werden. Insbesondere für die Wertung im Sonderfeld Alfa Romeo werden historische Fahrzeuge dieses Typs noch gern angenommen. Die Teilnahme ist nenngeldfrei. Meldestelle ist der Veranstalter, die Firma Retro Promotion aus Renningen (www.retropromotion.de